Lernen durch Nachahmung

Während den meisten Vögeln vieles angeboren ist, müssen Gänsekinder fast alles von ihren Eltern lernen. Schon die ganz kleinen Gösselchen ahmen das Verhalten ihrer Eltern nach, wie zum Beispiel das Drohgesicht. Von ihren Eltern lernen sie auch den Umgang mit den Menschen, mit ihren Hunden und mit den anderen Wasservögeln.

Selbst das Zugverhalten ist Gänsen nicht angeboren. Während die Kinder der Störche schon vor ihren Eltern in den Süden ziehen - und die Eltern erst später nachkommen - müssen Gänsekinder die Zugwege von ihren Eltern lernen. Unsere "Sommergänse",  zu denen auch die Kanadagänse zählen, sind davon kaum noch betroffen, denn sie nehmen keine weiten Zugwege mehr auf sich. Für die "Wintergänse" ist das Erlernen der Zugwege unabdingbar für die Arterhaltung.

Bei den arktischen Wildgänsen wollten Wissenschaftler zur Erhaltung stark gefährdeter Arten Gänse selbst nachziehen und den Gänsekindern per Auto die Zugwege zeigen. Dies gelang nicht. Man fand heraus, dass Gänse die Zugwege in ihrer Flughöhe erleben müssen, um sie sich einprägen zu können. So gingen die Wissenschaftler dazu über den Gänsen mit leichten Fluggeräten die Zugwege zu zeigen. Die Zugwege wurden so ausgeklügelt gewählt, dass die Gänse keine Gebiete überfliegen sollten, in denen sie abgeschossen ("bejagt") werden. Aber auch hier scheiterte die Technik, denn die Fluggeräte waren regelmäßig nicht robust genug, um gegen Wind und Wetter anzukommen. Die Wissenschaftler haben viel gelernt, aber zur Arterhaltung haben die Programme nicht beitragen können. Gänsekinder brauchen ihre Gänsefamilien, um erfolgreich durchs Leben zu kommen. Wissenschaftler können mit all ihrer Technik eine Gänsefamilie nicht ersetzen. Die Erhaltung von Gänsearten ist viel viel komplizierter und schwieriger als man denkt. Mit dem "Einfrieren von Genmaterial" und der "Wiederherstellung von Tieren" ist es mitnichten getan.

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